Pressemitteilung des Frauenhauses Darmstadt zum Internationalen Frauentag 202

Pressemitteilung des Frauenhauses Darmstadt zum Internationalen Frauentag 202

Den Internationalen Frauentag am 08.03. nehmen wir zum Anlass, auf die weiter steigende Gewalt gegen Frauen und aktuelle Entwicklungen im Hilfesystem hinzuweisen.

Allein die polizeilich erfassten geschlechtsspezifischen Gewalttaten sind weiter gestiegen (s. BKA – Lagebilder – Bundeslagebild Häusliche Gewalt 2024). Auch die Zahl der polizeilich registrierten Betroffenen häuslicher Gewalt in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht (s. Zahlen zu häuslicher Gewalt 2024 – Frauenhauskoordinierung). Der Großteil der Betroffenen sind Frauen.

Deutlich wird, dass Gewalt gegen Frauen kein Ausnahme- oder Randphänomen ist, sondern die ganze Gesellschaft betrifft. Umso eklatanter stellt sich die Lücke im Unterstützungssystem bundesweit, aber auch in Hessen dar. Schon in Hessen müssten sowohl die Zahl der Frauenhausplätze verdoppelt als auch Beratungskapazitäten deutlich ausgebaut werden, um allen von Gewalt betroffenen Frauen und ihren Kindern ausreichend Schutz und Unterstützung zu bieten.

Einige wichtige Veränderungen stehen für das Frauenhaus Darmstadt in den nächsten Jahren an: Zum einen tritt das neue Gesetz für ein verlässliches Hilfesystem bei geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt in Kraft und zum anderen zieht das Schutzhaus für Frauen und Kinder in ein größeres Gebäude.
Das sog. Gewalthilfegesetz konkretisiert die Verpflichtungen Deutschlands aus der Istanbul-Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Verbunden mit dem Gewalthilfegesetz ist der ab 2032 geltende Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung bei häuslicher Gewalt (s. Pressemitteilung „Gewalthilfegesetz – und jetzt ist alles gut?“ der Landesarbeitsgemeinschaft der hessischen Frauenberatungs- und Interventionsstellen bei häuslicher Gewalt). Damit dieser zuverlässig umgesetzt werden kann und damit grundlegende Menschenrechte erfüllt werden, ist bundesweit ein Ausbau von Schutz- und Beratungsplätzen dringend notwendig. Den vorhandenen Mangel erleben wir im Frauenhaus und unserer Fachberatungsstelle täglich. Immer wieder müssen wir schutzbedürftige Frauen und betroffene Kinder ablehnen, da schlicht keine freien Zimmer zur Verfügung stehen. Auch die Unterstützung von Frauen dabei, in einer anderen Stadt einen freien Platz zu finden, verdeutlicht uns immer wieder, wie viel Ausbaubedarf tatsächlich vorhanden ist.

Umso glücklicher sind wir, dass uns ab 2027 dank der Unterstützung der Stadt Darmstadt und der Bauverein AG ein größeres Haus zur Verfügung stehen wird und wir zukünftig dann 17 reguläre Familienplätze (17 Frauen mit oder ohne Kinder) anbieten können. Dennoch sind wir auch hier noch auf Unterstützung angewiesen. Für die Ausstattung des neuen Hauses sammeln wir dringend Spenden.

Zur Ausstattung der einzelnen Zimmer
freuen wir uns über die Übernahme von Patenschaften, weitere Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten finden Sie unter: https://frauenhaus-darmstadt.de/

Im Hinblick auf die Umsetzung des Rechtsanspruchs und des Gewalthilfegesetzes insgesamt bleiben aktuell noch viele Fragen offen. Gerade wird in den Ländern an konkreten Ausführungsgesetzen gearbeitet. Um betroffenen Frauen und Ihren Kindern wirklich verlässlichen Schutz und ausreichende Unterstützung bieten zu können, ist vor allem eine ausreichende Finanzierung des Hilfesystems nötig. Dazu werden die über den Bund zur Verfügung gestellten Mittel nicht ausreichen. Auch weiterhin sind wir dringend auf die Unterstützung der Stadt Darmstadt und des Landes Hessen angewiesen. Zudem müssen Beratung sowie Aufnahme in ein Schutzhaus auch weiterhin niedrigschwellig und auf Wunsch anonym möglich sein. Ein großer bürokratischer Aufwand würde die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten deutlich erschweren. Daher appellieren wir an alle Entscheidungsträger:innen auf kommunaler und Landesebene sich weiter für eine ausreichende Finanzierung qualitativ hochwertiger und niedrigschwelliger Angebote im Gewaltschutz einzusetzen und sich damit klar gegen Gewalt gegen Frauen zu positionieren.
März 2026

Weitere Informationen:

PM B LAG GewHG 03-2026

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